Biodiversitätsverlust und Insektensterben

als System-Problem: Konsequenzen für Gesellschaft und Wirtschaft

 


Das „System Erde“ ist außerordentlich komplex und unüberschaubar.
Relevant für die Lebensqualität der Menschen sind viele Prozesse des Systems, wie die langfristige Klimaentwicklung, die Entwicklung von Bevölkerungen und Ökonomien, die Landnutzung, die Menge und Qualität von Wasser und Nahrungsmitteln, etc.
Um Ursachen für Veränderungen analysieren zu können, muss sich eine Vielzahl von Wissenschaftsdisziplinen auf möglichst konkrete möglichst konkrete räumliche und zeitliche Skalen und thematische Ausschnitte fokussieren, die mit einer reduzierten Anzahl von Variablen als exemplarisch verstanden und erfasst werden und in der Analyse
mit weiteren Systemkompartimenten vernetzt werden können.

 

Wir haben den Biodiversitätswandel als eine wesentliche Komponente des Systems Erde identifiziert. Der großflächige Wandel der Biosphäre, der das Verschwinden von Naturraum, die Rodung von Wäldern und die Ausdehnung von Siedlungen, landwirtschaftlicher Nutzfläche und auch Ödland zur Folge hat, ist komplex und im Detail unzureichend erfasst. Der Rückgang Lebensräumen und von Biodiversität sind Prozesse, die seit Jahrhunderten parallel zur Ausbreitung der Menschen allmählich stattfinden. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich diese Prozesse jedoch erheblich beschleunigt. In den vergangenen Monaten ist die Thematik aus gutem Grund in allen Medien intensiv und mit Forderungen an die Politik diskutiert worden, nachdem bekannt wurde, dass in Deutschland in Schutzgebieten 70-80% der Insektenbiomasse  verloren gingen (Hallmann et al. 2017, PLoS One 12). Diese Erscheinung ist ein Indiz für tiefgreifende Veränderungen der Ökosysteme insgesamt. Bürger, Medien und Politik sind aktuell für das Thema sensibilisiert und es besteht auch die politische Bereitschaft, eine erforderliche Verbundforschung zu fördern: Mit dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt, der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und zahlreichen Initiativen wie dem „Weißbuch Stadtgrün“ oder der Initiative „Naturschutzstrategie für Bundesflächen“ zeigt der Bund eine große Bereitschaft, sich für biologische Vielfalt zu engagieren.

 

Natur- und Artenschutz sowie nachhaltige Nutzung können nicht ohne Berücksichtigung der Interessen von Land- und Forstwirten,
den Fachplanungen, Kommunen und Verbrauchern stattfinden. Entscheidungen müssen jedoch auf der Basis verlässlicher empirischer Daten vorbereitet und getroffen werden. Um alle wesentlichen Faktoren zu berücksichtigen, die z.T. in mehrstufigen Wirkungskaskaden Biodiversität verändern, muss die Expertise vieler Fachleute verzahnt werden.